Ihr Lieben,
vor etwas mehr als 14 Tagen haben wir ein Wochenende in Mecklenburg-Vorpommern verbracht. Es startete alles mit einer Google Anfrage Mitte Mai: Argentiniern in Mecklenburg-Vorpommern. Mir war ein Ferienhof in den Sinn gekommen, dessen Name mir in dem Moment nicht einfiel. Darauf zielte meine Suche. Aber ich wurde auch anderes fündig und entdeckte eine Webseite mit Glamping Zelten und Ausritten durch die Pampa Mecklenburg-Vorpommerns unweit von Rostock-Laage. Die Cavalan Ranch.
Neben zwei unterschiedlichen Größen an Glampingzelten gibt es dort auch Ferienwohnungen und vor allem die Option von unterschiedlichen Austritten, die mich sofort in den Bann zog. Und da mein Mann weniger Wochen später Geburtstag hatte, drücke ich sofort auf Buchen und Zack hatte ich ein Wochenende auf der Cavalan Ranch gebucht.
Direkt nach der Buchung klicke ich mich etwas weiter durch die Webseite und fand einen alten NDR Film, bei dem ein Filmteam beim Aufbau dieses Hofes begleitete, und ich bekam ein leichtes Kribbeln im Bauch vor Vorfreude.
Mein Mann hat einige Zeit in Argentinien gelebt und ist dort auch geritten. Und auch ich habe vor zwölf Jahren in Argentinien das letzte Mal auf dem Pferd gesessen, nachdem ich eigentlich mit 15 aufgehört hatte, zu reiten. Die Reitleidenschaft teilen mein Mann und meine Töchter noch miteinander und sind regelmäßig einmal die Woche im Stall. Sie reiten nach wie vor auf die argentinische Art auf argentinischen Criollo Pferden – einhändig.
So überraschten wir meinen Mann Anfang Juni mit einem Gutschein für ein Wochenende. Als einzige Information bekam er eine Packliste, in der wir auch ein paar andere Informationen versteckten, um ihn auf eine andere Fährte zu locken. Freitagmittag starteten wir mit einem gepackten Auto und fuhren gen Osten. Ich hatte im Vorfeld bereits für Samstag einen Ausritt für uns alle vier gebucht und wir alle waren aufgeregt und glücklich. Der Weg führte uns durch Kornfelder und Mohnwiesen direkt bis zur Cavalan Ranch. Dort angekommen wurden wir herzlich begrüßt und machten uns direkt auf den Weg in unser kleines hübsches Zelt. Wobei man da in unserem Fall nicht von klein sprechen kann, denn wir hatten das Familien Glampingzelt gebucht, mit einer Größe von 40 m², mit vier Betten und einem kleinen Holzofen. Für die Toilette, Dusche und Küche konnten wir ins Haupthaus gehen und dort alles nutzen. Alles für uns völlig ausreichend und herrlich.

Überall laufen Hühner herum und bei unserer Erkundungstour über den Hof entdeckten wir die unterschiedlichen Nester und sammelten fleißig die bunten Eier ein. Was für ein herrliches Fleckchen Erde – ein alter Hof in Alleinlage. Amancio Mendiondo stammt aus Argentinien und hat sich vor knapp 3 Jahren diesen Hof gekauft und baut ihn nach und nach mit Freunden und Hilfe von internationalen Volunteers aus und um. Es ist ein stetiger Prozess und man merkt das ganze Herzblut Amancios in jeder Ecke.
Bevor es zur Hofübernahme kam, hatte er schon die ersten Pferde gekauft und verbrachte ein paar Wochen auf der Weide mit den Pferden, um schon die Weiden einzuzäunen und die ersten Arbeiten auf dem Grundstück zu machen. Tagsüber arbeiten – nachts unter freiem Himmel auf der Weide schlafen. Wenn man diese Geschichte hört, versteht man das Gefühl der Cavalan Ranch. Es ist alles ein Prozess – im Einklang mit den Pferden und der Natur und den finanziellen Mitteln, die in dem Moment gerade vorliegen. Es ist spannend zu sehen, wie alles im Gang ist und wie alles nach und nach verändert wird. Anders als man es häufig kennt, wurde hier nicht eine hohe Millionensumme investiert und zack war alles fertig und schick, sondern es wird nach und nach rund. Aber ohne wie eine Baustelle zu wirken oder die Ästhetik zu verlieren.

Die 2 Ferienwohnungen und 4 Glampingzelte sind momentan die Übernachtungsmöglichkeiten für die Gäste und nach und nach entstehen in den Nebengebäuden und im Haupthaus immer weitere schöne Plätze für einen herrlichen Urlaub.
An unserem ersten Abend spielte das Wetter mit und wir genossen die Abendstunden und den Sonnenuntergang vor unserem Zelt, dann später mit ein paar Büchern und einer Wärmflasche unter unsere kuschelige Decke zu kriechen.
Am nächsten Morgen überraschte uns ein ziemlicher Regen und Sturm! Unser morgendlicher Ausritt verschob sich auf Nachmittags und wir machten es uns in unserem Zelt gemütlich. Mein Mann heizte den kleinen Ofen ein und wir kuschelten uns mit unseren Büchern ein. Herrlich…
Mittags fuhren wir noch kurz durch die Landschaft, um ein paar Besorgungen zu machen. Am Abend hatten wir uns fürs Asado angemeldet. Ein argentinisches Grillen, was an manchen Tagen angeboten wird. Ansonsten läuft alles auf Selbstversorger Basis, mit dem Zugang zu einer super Kaffeemaschine, Milchaufschäumer, einer komplett ausgestatteten Küche und einem extra Kühlschrank für die Glampinggäste.

Aber vorher hieß es: Ausreiten!! Ich hatte viele Jahre nicht auf dem Pferd gesessen und mich zur Vorbereitung ein paar Tage vorher erst wieder aufs Pferd gewagt. Und es kam alles wieder. Wie beim Fahrradfahren schien sich mein Körper zu erinnern. Nur meine Muskulatur nicht.. Aber auch das ist ja ein Prozess. Also hieß es Aufsatteln und mit einer Gruppe von anderen Reitern mit unterschiedlichen Vorkenntnissen ab auf die Pferde. Es waren auch blutige Reitanfänger dabei. Denn die Pferde von Amancio sind super unkompliziert und lassen sich leicht reiten. Auf den Gaucho Sätteln reitet es sich bequem durch die Landschaft Mecklenburg-Vorpommerns. Herrlich. Ich hätte stundenlang so weitermachen können.
Wir schaukelten im Schritt, Trab und manche auch im Galopp durch hohe Wiesen, Gräser, über leichte Hügel und durch Waldstücke. Ohne Begegnungen mit Straßen, Wegen oder Menschen. Einfach nur wir auf den Pferden. Naja – und dem Dachs, der unseren Weg kreuzte und den Rehen, die am Horizont wegsprangen.
Die Kinder machten super mit, auch wenn sie sich zwischendurch etwas schwertaten und von uns begleitet werden mussten. Aber sie waren glücklich und begeistert.
Am Abend gab es bei bestem Wetter ein leckeres Asado. Ein typisch argentinisches Grillen direkt über der Glut mit Chorizo nach dem Familienrezept von Amancios Mutter – von einem schwäbischen Fleischer im Nachbarort produziert. Bei Wein, köstlichem Fleisch und jeder Menge Chimichurri saßen wir und andere Gäste und das ganze Team am Lagerfeuer zusammen und lachten und erzählten uns Geschichten, bis die Sonne unterging. Der Abend bleibt unvergessen.
Am Sonntagvormittag stiege mein Mann und ich nochmal aufs Pferd. Der Ausritt am Vortag war so herrlich, dass wir direkt noch einen machen wollten. Und das lief sogar noch besser. Ich habe inzwischen wieder richtig Blut geleckt und würde am liebsten wieder regelmäßig reiten. Vielleicht passiert das ja auch bald- Mal schauen!
Als es dann langsam so weit war, Abschied zu nehmen, gab es Tränen bei einer unserer Töchter… Es war so schön. Können wir nicht bleiben?

Leider konnten wir nicht bleiben, aber wir kommen sicher noch einmal wieder, denn dieses Wochenende ging mitten ins Herz. Heute Mittag fragte mich meine Kleine direkt wieder: „Wann fahren wir wieder auf den Hof mit den Pferden und den Zelten?“
Vielleicht ist das ja auch ein schönes Ziel für Euch. Und man kann die Austritte auch separat buchen. Was ich wunderbar finde. Vielleicht ja auch mal ans Geburtstagsgeschenk für eine Freundin. Wir haben unser Herz ein bisschen auf der Cavalan Ranch verloren… Denn diese Leichtigkeit hat sich auf uns alle übertragen und war unglaublich erholsam.
Meine persönliche Empfehlung für Euch – alles Liebe
Clara





















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