Gastartikel meiner tollen Autorin Urte die einige von Euch als Soetsaker kennen.
Als ich vor einiger Zeit meine Freundin fragte, worüber sie denn hier gerne mal lesen würde, sagte, sie, sie habe Sehnsucht nach schönen Orten in Hamburg, an denen momentan nicht so viele Menschen seien. Das klingt erstmal paradox, wo wir doch momentan so wenige Menschen treffen dürfen. Aber der Lockdown führt hier in Hamburg dazu, dass die schönen Plätze wie die Alster und das Elbufer an den Wochenenden und überhaupt bei schönem Wetter absolut überlaufen sind.
Ich schnappe mir also meine Kamera und fahre für einen einsamen Spaziergang an einen Ort, den ich eigentlich nur zu normalen Geschäftszeiten besuchen würde. Runter zur Speicherstadt, ins Oberhafenquartier spaziert, durch den Lohsepark und am Rande der Hafencity zurück. Ich bin gut eineinhalb Stunden unterwegs und was soll ich euch sagen. Es ist herrlich. Ganz allein, einmal kurz den Job und die Pflichten hinter mir gelassen, durchatmen. Hingucken. Falls ihr Lust habt, euch das Quartier auch mal in Ruhe anzusehen:
Ich fahre mit der Bahn bis zum Messberg und gehe von dort zu Fuß rüber zur Speicherstadt. Vorbei an den alten Backsteinspeichern spaziere ich ins Oberhafenquartier. Das ehemalige Güterbahnhofsgelände liegt am Rande der Hafencity und ist heute ein kreativwirtschaftliches Stadtentwicklungsprojekt. Hier finden sich in alten Güterhallen unter anderem Räume für Künstler und Kreative, Fotostudios und Coworkingspaces.
Das bekannteste Gebäude im Oberhafen ist wohl die Oberhafenkantine, ein winziges, irgendwie windschiefes Häuschen, das 1925 als Kaffeeklappe für die Hafenarbeiter entstanden ist. Ihr begegnet dem Gebäude direkt an der Einfahrt zum Gelände. Noch heute gibt es in der Oberhafenkantine richtig gute, norddeutsche Küche wieFrikadellen, Grünkohl oder Labskaus. Die Oberhafenkantine ist momentan geschlossen, bietet aber voraussichtlich ab Ende März Speisen zum Bestellen und Abholen an.

Einige Meter weiter auf dem Gelände findet sich linker Hand das Geschäft von Johanna Schultz. Sie ist eine super sympathische Expertin für Inneneinrichtung und Wohnberatung und ihr Geschäft ist ein absoluter Traum für Vintage-Liebhaber wie mich. Ihr findet hier Möbel, Lampen, Kisten, Accessoires und jede Menge der von mir so geliebten Leuchtbuchstaben – ich habe auch einen riesigen Buchstaben von ihr bei mir zuhause stehen. Geht auf jeden Fall mal dort hin zum Stöbern (zur Zeit findet ihr all die schönen Dinge hier im Online-Shop)!
Wer Spaß am Stöbern in alten Sachen hat, kann, so denn wieder geöffnet, auch noch einen Blick in die Hanseatische Materialverwaltung werfen. Hier landen Requisiten, Bühnenbilder und Materialien von Filmdrehs, Messen oder ähnlichen Events. Aus diesem Fundus können Kultureinrichtungen, Schulen, Künstler und Vereine Dinge ausleihen oder kaufen, aber auch für private Interessenten steht der Fundus offen.
Bevor ich das Gelände Richtung Hafencity verlasse, gehe ich noch in die Hobenköök. Das ist eine Markthalle mit Restaurant, die überwiegend regionale und saisonale Lebensmittel anbietet. Mich erinnert das vom Flair ein bisschen an die Markthalle Neun in Berlin, auch wenn das Konzept ein anderes ist. Das Restaurant der Hobenköök ist momentan leider noch nicht wieder im Betrieb, aber ihr könnt Kochboxen bestellen und Samstags steht vor dem Restaurant die „Broiler Butze“ und verkauft einen leckeren Mittagstisch to go.
Ich nehme in der Markthalle ein bisschen was zum Verschenken mit und mache mich auf den Weg in den Lohsepark, eine große Grünanlage am Rande der Hafencity. Es ist die größte Grünfläche in der Hafencity und überwiegend geprägt von Rasen- und Spielflächen. Richtung Elbe schließt der Park an eine Promenade mit Blick auf den Baakenhafen ab. Heute sind im Park nur ein paar Spaziergänger mit und ohne Hund, einige Radler und skatende Kinder unterwegs, es ist insgesamt super ruhig. In der Yokohama Coffee Bar kaufe ich mir einen Kaffee und mache mich durch den Park auf den Weg Richtung Baakenhafen. Das Gelände hier wirkt überwiegend noch eher industriell als wohnlich, das mag ich ja gern an der Hafencity, dass doch vieles noch brach liegt, das hat für mich einen ganz speziellen Charme. In ein paar Jahren soll am Baakenhafen ein „urbanes Dorf“ entstanden sein, ein sozial gemischtes Wohn- und Freizeitquartier.
Entlang der Elbe am Rande des Elbtorquartiers mache ich mich jetzt wieder auf den Rückweg zur Bahn. Ich biege in die Osakaallee und werfe ich noch einmal einen Blick zur linken auf die Hafencity, zur rechten auf das Internationale Maritime Museum und die Speicherstadt – genau dieser Mix aus Moderne und Tradition hat mich auf meinem gesamten Spaziergang begleitet und er ist das, was den Hamburger Hafen so reizvoll prägt.
Also, ich kann es euch nur empfehlen: Geht mal raus in eure Stadt, ein bisschen entgegen dem Strom, entdeckt die Stille an Plätzen, die sie sonst vielleicht so nicht bieten.
Das hier habe ich übrigens von meinem Spaziergang mitgebracht: In der Hobenköök habe ich ein Apfel Chutney aus der Altländer Bio-Manufaktur Ottilie und einen Eierlikör von Rübbelberg Berlin mitgenommen und in der Yokohama Coffee Bar neben dem Flat White auch noch ein tolles Buch: Familienabenteur – Einmalige Erlebnisse und Urlaub mit Kindern. So richtig schön zum Wegträumen und Pläne schmieden.
Liebe Grüße, Urte

Andere Artikel von Urte hier auf dem Blog sind:
Ein bisschen Licht für den Tunnel
Bridge&Tunnel und der Umgang mit der Krise
Wo es in Eimsbüttel besonderschön ist
Ich mag Ihre Artikel besonders gerne und es sind immer schöne individuelle Geschichten hier aus Hamburg. Ich freue mich sehr, wenn Ihr ihr einen Kommentar hinterlasst.



Iris sagt
Vielen Dank, dass du mir ein Stück von meinem Sehnsuchtsort in die Schweiz geschickt hast! Ich ersehne den Tag herbei, wo ich wieder reisen darf!
Urte Hermann sagt
Liebe Iris, vielen Dank und ganz liebe Grüße in einen meiner Sehnsuchtsorte – die Schweiz!
Urte
Rosalie sagt
Ich liebe Hamburgo und freue mich über Deinen Blog total.
Vielleicht darf Niederbayern endlich auch wieder dorthin reisen! Danke Rosalie
Urte Hermann sagt
Liebe Rosalie, wir hoffen auch so sehr, dass wir uns bald wieder alle „bereisen“ können!
Viele liebe Grüße nach Niederbayern! Clara und Urte